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Tipps zum sicheren Verhalten in den Bergen

Jedes Jahr verunglücken Wanderer, Kletterer und Bergsteiger aus den unterschiedlichsten Gründen. Im Bereich Wandern ereignen sich allerdings die meisten Unfälle und dies nicht nur weil Wanderer mit Abstand die größte Gruppe bilden.

 

Die Schlagworte, die in diesem Zusammenhang oft gewählt werden lauten: Mangel an alpiner Erfahrung, Selbstüberschätzung, ungenügende Vorbereitung, mangelnde Kondition, unzureichende Ausrüstung (inzwischen seltener).

 

Selbst bei einfachen Tageswanderungen sollten Sie über den bevorstehenden Verlauf der Route und den Zeitrahmen ausreichend informiert sein. Längere und größere Touren in größere Höhen erfordern eine genauere Vorbereitung. Anspruchsvolle Bergunternehmungen erfolgen meist oberhalb der Baumgrenze, je nach Gebiet werden die 3000 Meter deutlich überschritten. Also gelangt man in alpines Gelände mit seinen eigenen Gesetzen. Meist folgt man markierten Wegen oder Pfaden, einige führen über Gletscher oder sogar durch wegloses Gelände. Dies erfordert Erfahrung im Finden von Wegen, aber auch im Umgang mit Kartenmaterial, Kompass und Höhenmesser. Vorteilhaft sind detaillierte Alpenkarten im Maßstab von 1:25.000.

 

– Planung einer Tour –

Planen Sie Ihre Touren sorgfältig, besonders was die Länge der einzelnen Etappen angeht. Gerade in den ersten zwei bis drei Tagen, in denen Sie noch nicht akklimatisiert sind, sollte das Pensum kleiner sein.

Planen Sie Varianten ein, wenn das Wetter oder die Bedingungen nicht mit der ursprünglichen Planung übereinstimmen. Berücksichtigen Sie immer Ihre persönlichen Fähigkeiten. Diese richtig einzuschätzen ist womöglich die schwierigste Aufgabe – sie erfordert Zugeständnisse, Erfahrung mit sich selbst – und ist keine feste Größe. Wer lange Jahre nicht mehr aktiv war, wird sich womöglich eher überschätzen, im Vergleich zu jemandem, der konstant in den letzten Jahren aktiv war.

Planen Sie bei Ihren Unternehmungen genügend Zeitreserve ein. Es ist wichtig, stets eine gewisse Reserve an physischer und psychischer Kraft zu haben, damit man „zulegen“ kann, wenn es die Situation wie Wetterumschlag, längere Route, Notfall erfordert. Starten Sie morgens angemessen früh Ihre Tour.

Unternehmen Sie Ihre Touren wenn möglich nicht allein. Suchen Sie sich erfahrene Begleiter, oder schließen Sie sich einer Gruppe an, z.B. in unserer Sektion.

Planen Sie genau Ihre Tour nach ausreichender Lektüre der Wanderliteratur. Die meisten Gebietsführer und Karten können Sie in der Bücherei des DAV- Sektionszentrums Düsseldorf ausleihen. Studieren Sie das Kartenmaterial genau. Vermerken Sie die bevorstehenden Höhendifferenzen der Etappen. Berücksichtigen Sie sinnvolle Varianten und Möglichkeiten vorzeitig aus einer Tour auszusteigen, wenn die Begebenheiten und Wetterverschlechterungen Sie dazu zwingen. Ein gewisses Risiko bei Touren besteht darin, dass man auf Biegen und Brechen das Etappenziel erreichen möchte. Das darf nicht dazu verleiten, gefährliche Passagen unüberlegt anzugehen. Im Zweifelsfall kehrt man besser um und geht zum Ausgangspunkt oder ins Tal zurück.

Berücksichtigen Sie bei der Planung die Jahreszeit hinsichtlich der Schneeverhältnisse. Im Frühsommer muss in Höhen über 2000 Meter und darüber in schattigen Lagen und an Nordhängen mit Restschnee, Lawinenschnee und geschlossenen Schneefeldern gerechnet werden. Die meisten Touren im alpinen Bereich sind erst ab Mitte Juli weitgehend schneefrei. Im Herbst setzt der Schneefall in den Bergen auch wesentlich früher ein als im Tal. Sie müssen daher schon im Oktober auf weiten Strecken mit einer geschlossenen Schneedecke rechnen, die alle Wege und Pfade verdeckt. Da eine solche Schneedecke Steine und Löcher überdeckt, steigt auch das Risiko von Fehltritten.

Führt ein Weg über Schnee, ist besondere Vorsicht geboten. Werden besonders steile Schneefelder passiert, besteht die Gefahr des Ausrutschens. Besonders gefährlich sind die frühen Morgenstunden, wenn der Schnee noch sehr hart ist und es kaum möglich ist, Fußtritte, hineinzubringen. Eispickel und eine steife Schuhsohle sind dann erforderlich. Eine andere Gefahr im Frühsommer ist die Gefahr des Nassschneerutschens. Steigen Sie nie in eine Tour ein, wenn das Wetter zu unsicher oder zu schlecht ist.

 

– Persönliche Fähigkeiten –

Berücksichtigen Sie bei der Schwierigkeit und Länge der Tour ihre persönlichen Fähigkeiten, wie Trittsicherheit , Schwindelfreiheit, Kraft, Kondition, Orientierungsmöglichkeit, psychische Verfassung und Ihre alpine Erfahrung.

Planen Sie bei den Gehzeiten zunächst nicht zu viele Stunden ein. Berücksichtigen Sie, dass bei den Gehzeiten keine Pausen eingeplant sind. Bedenken Sie, bei Touren in unbekanntem Gelände, wenn die Wegfindung schwierig ist, dass dies auch zusätzliche Zeit erfordert. Lassen Sie sich auf Wanderungen nicht hetzen. Es ist nicht wichtig, ob Sie für Ihren Hüttenaufstieg oder Etappenziel 4 ½ oder 5 Stunden benötigen wenn 4 ½ Stunden angegeben sind. Viel wichtiger ist für Sie zu wissen wieviel Sie an einem Tag gut bewältigen können, ohne sich zu überanstrengen.

Wenn die körperliche Konstitution nicht optimal ist, sollten Sie die Etappen auf Ihre persönliche Gehzeit einstellen, getreu der Regel: „Wieviel Sie an einem Tag gut bewältigen können, ohne sich zu überanstrengen“.

 

– Gehen in Gruppen, Gruppendynamik –

Einerseits bietet es mehr Sicherheit, wie zuvor gefordert, in einer Gruppe unterwegs in den Bergen zu sein, andererseits erzeugen gerade Gruppen ein erhöhte Erwartungshaltung. Folge ist eine erhöhte Risikobereitschaft aufgrund des Gruppendruckes, was eine Überforderung des einzelnen bedeuten könnte. Daher sollten die Gruppenteilnehmer in etwa gleich stark sein. Da dies meist nicht zutrifft, sollten sich die Anforderungen an den schwächsten Teilnehmern orientieren. Bei frei gewählten Gruppierungen ohne „Leiter“ sollte wenn möglich vor Beginn der Tour geklärt werden, wer in schwierigen Situationen nach Abstimmung mit der Gruppe die letzte Entscheidung trifft. Eigentlich naheliegend, dass derjenige, der über die meiste Erfahrung und Kenntnis verfügt, diese Aufgabe übernimmt.

 

– Wege , Routen, Pfade, Spuren Fußstapfen im Schnee –

Bergsteigen bedeutet, im Gelände selbst über die weiteren Geschehnisse zu entscheiden. Wenn das Gelände für Ihre Begriffe nicht oder nicht ausreichend sicher begehbar ist oder Sie im Zweifel über den Weiterweg sind, dann kehren Sie um. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall immer für den Rückweg auf der Ihnen bekannten Route, statt einen Pfad ins Unbekannte zu folgen – den Weg, den Sie gekommen sind kennen Sie bereits. Nehmen Sie keine vermeintlichen Abkürzungen, die Sie nicht kennen, sondern bleiben Sie auf der Route. Im Zweifelsfall fragen Sie andere Wanderer, Einheimische und Hüttenwirte, aber vertrauen Sie ihnen nicht blindlings (keine einfache Lösung). Auch Spuren im Schnee können unter Umständen trügerisch sein. Lassen Sie sich auch nicht dazu verleiten, Geländepartien zu begehen, die Ihre physische und psychische Fähigkeit übersteigen. Begeben Sie sich nicht in Situationen, in denen Sie weder vor noch zurück können – also nicht auf gewagtes Terrain.

 

– Wetter –

Versuchen Sie Wetterinformationen einzuholen, im Tal per Radio, Fernsehen, Aushang im Fremdenverkehrsbüro, Wetterseiten im Internet, telefonische Abfrage der Wetterinformationen. Wenn Sie auf Tour sind beim Hüttenwart (vertrauen Sie aber nicht jedem blindlings), per Miniradio oder telefonischer Abfrage der Wetterinformationen. Im Funkschatten der Berge ist der Empfang von Radio oder Mobilfunktelefon leider nicht immer möglich.

Berücksichtigen Sie, dass bei hoher Wärmeeinstrahlung die Gewitterneigung (Wärmegewitter) von Tag zu Tag zunimmt und Sie an solchen Tagen das nächste Ziel nach Möglichkeit schon am frühen Nachmittag erreichen sollten.

Beobachten Sie den Luftdruck über den gesamten Zeitraum Ihrer Tour, besonders wenn dieser ständig weiter sinkt, ist besondere Vorsicht geboten. Beobachten Sie die Wolkenbilder und Wetterentwicklungen. Heranziehende Zirren und zunehmende Schichtbewölkungen deuten auf Wetterverschlechterung hin (Warmfront). Ebenso sollte die Zugrichtung der Wolken beobachtet werden, meist Südwest-Strömung auf West, später Nord-West drehend.

Anders hingegen die sog. Kaltfront, diese zeichnet sich im Vorfeld bei weitem nicht so deutlich ab wie die zuvor beschriebene Warmfront. Die Vorwarnzeit ist wesentlich kürzer. Die Zeit zwischen dem noch blauem Himmel und dem Losbrechen des Unwetters kann im ungünstigsten Fall nur zwei Stunden betragen. Wie der Name Kaltfront schon sagt, ist das Eintreffen der Front mit einem erheblichen Temperatursturz in Verbindung mit Niederschlag und zum Teil auch Gewittern verbunden. Besonders in großer Höhe bergen Blitzschlag, Kälte, Regen, Schnee, Vereisung der Felsen, einsetzender Nebel eine ernstzunehmende Gefahr. Gerade noch rechtzeitiges Erkennen und vorzeitiges Abbrechen der Tour kann bewirken, um aus den größten Gefahrenmomenten gerade noch herauszukommen. Nicht auszudenken wer dann noch z.B. auf dem Gipfelgrat des Großglockners unversehens weitersteigt und beim Einsetzen des Unwetters den gesamten Grat im Abstieg noch vor sich hat.

 

– Steinschlag –

Berücksichtigen Sie bei der Routenplanung die Steinschlaggefahr. Wählen Sie die Tour mit dem geringsten Risiko. Zahlreiche Gipfel wie z.B. der Gand Combin werden auf der ursprünglichen Normalroute gar nicht mehr begangen. Beim Begehen von steilen Rinnen besteht oftmals eine erhöhte Steinschlaggefahr durch loses herumliegendes Gestein. Gruppen gehen dann unbedingt geschlossen mit nicht zu großem Abstand zueinander, um sich innerhalb der Gruppe nicht gegenseitig zu gefährden. Versuchen Sie selbst keine Steine zu lösen, durch möglichst „sauberes“ gehen. Behalten Sie stets die Übersicht über das Gelände und achten Sie auf andere Wanderer, die womöglich Steine lostreten können. Auf Klettersteigen und Klettertouren sollte zur Sicherheit ohnehin nur mit Steinschlaghelm gegangen werden.

 

Ausbildungsreferat
Christian Möhker