„Eine Spritztour durch die Alpen Nordamerikas“

„Eine Spritztour durch die Alpen Nordamerikas“

Vortrag von Ernst Poensgen (1871-1949) im Deutschen Alpenverein/Sektion Düsseldorf im Jahre 1906

(übertragen, eingeleitet und kommentiert von Prof. Dr. Horst A. Wessel, Hilden)

Der bedeutende Stahlindustrielle, Förderer des Düsseldorfer Schauspielhauses und des Künstlervereins Malkasten sowie vieler Düsseldorfer Sportvereine – Gründer des Rochusclubs und  der DEG – Mitglied des Alpenvereins/Sektion Düsseldorf, nutzte 1905 einen geschäftlichen Aufenthalt in den USA, um sich vierzehn Tage, vom 5. bis 19. August, in den Rocky Mountains aufzuhalten. Wenn man bedenkt, wie viele Stunden er in diesen Tagen draußen in der noch fast unberührten Natur zu Fuß oder zu Pferd unterwegs gewesen ist und wie viele Berge er in diesen Tagen bestiegen hat, nicht wenige von ihnen als einer der ersten Menschen überhaupt, wird man ermessen können, wie sportlich und durchtrainiert dieser damals 35jährige Mann, den man wegen seiner äußeren Erscheinung den „Mahatma Gandhi1 von Lierenfeld2“ nannte, gewesen sein muss.

1906, also vor 110 Jahren, berichtete er vor Mitglieder und Gästen des Deutschen Alpenvereins/Sektion Düsseldorf über seine Tour. Die dabei gezeigten Fotos sind leider noch nicht gefunden worden. Allerdings handelt es sich, abgesehen von den individuellen Aufnahmen der Akteure, um Ansichten von Sehenswürdigkeiten, die heute in großen Scharen Besucher anlocken. Die also auf Werbebroschüren und selbstverständlich auch im Internet (heute in Farbe) zu bewundern sind.

Das Manuskript des Vortrags, 25 Seiten im Folio-Format, befindet sich im Bestand „Deutsche Röhrenwerke“ des Salzgitter AG-Konzernarchivs/Mannesmann-Archivs in Mülheim an der Ruhr. Satzbau, Wiederholungen bei der Satzkonstruktion und der Wortwahl sowie nachträgliche Korrekturen von Hand lassen darauf schließen, dass es sich um die Mitschrift des Vortrags handelt. Die Übertragung erfolgte in der heute gültigen Rechtschreibung und Zeichensetzung; lange Satzgefüge, die der Vortragsweise geschuldet waren, wurden, ohne den Sinn zu verändern, aufgelöst, offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.


Hochgeehrte Anwesende!

Einer freundlichen Aufforderung unseres Vorstandes entsprechend, habe ich die Ehre, Ihnen heute etwas von der Spritztour durch die Alpen Nordamerikas zu erzählen, die ich im August v. J. zusammen mit Herrn Probst3 unternommen habe.

Mein Thema sagt Ihnen schon, dass wir nur 14 Tage auf ein Gebirgsland verwenden konnten, dessen Durchquerung bei einer Breite von 600 km in fast gerader Linie 36 Schnellzugstunden erfordert.

Unser Ausflug in die Berge war gänzlich improvisiert, touristische Ausrüstung fehlte, und unsere ganze Vorbereitung beschränkte sich auf das Studium eines veralteten Baedeckers4 . Nicht einmal richtiges Schuhzeug hatten wir mit, als wir uns Ende Juli mit Unterbrechung unseres Aufenthalts im östlichen Industriegebiet zu dieser Reise entschlossen. Ich bitte sie freundlichst, einen, diesen mangelhaften Vorbereitungen entsprechenden Maßstab an meinen heutigen Vortrag zu legen, an den ich während der Reise umso weniger dachte, als ich damals noch nicht Mitglied unseres Vereins war. Gestatten Sie mir ganz kurz einige geografische Vorbemerkungen.

Die Karte hier zeigt Ihnen das Dominion of Canada5 , an Flächenraum größer als die USA und fast so groß wie ganz Europa mit nur 6.000.000 Einwohnern6. Der größte östliche Teil, das Gebiet der Seen, im Norden mit unendlichen Wäldern, enthält die mannigfaltigen und unerschöpflichen Jagdgefilde für Jäger und Angler. Westlich vom Lake Winnipeg beginnt die große fruchtbare Prärie, die eben jetzt der Kultur und Bebauung erschlossen wird und mit ihren jungfräulichen Böden bald eine der Hauptgetreidekammern der Welt werden dürfte7. Der dritte westlichste Teil, das Gebirge, war unser Reiseziel.

Die Rocky Mountains von Kanada sind ein Teil des gewaltigen Gebirgssystems, das von Feuerland8 ausgehend, wie ein Rückgrat den ganzen amerikanischen Kontinent bis zum Wunderland Alaska9 durchzieht. Die östliche Kette bildet die eigentlichen Rocky Mountains, mit Erhebungen bis zu 3.700 m, dann folgt die Selkirk Range10, die am stärksten, schon von 1.800 m an, vergletschert ist; es folgt der niedrigere Gold Range und schließlich das Küstengebirge. Das eigentliche Touristengebiet bilden nur die beiden östlichen Ketten. Die mächtigen wasserreichen und reißenden Ströme, die hier entspringen, sind der Saskatchewan11, der Athabaska12, der Columbia13 und der Fraser River14. Das Gebirge liegt in den Provinzen Alberta15 und Columbia16 mit etwa 100.000 Einwohnern. Das Gebirge selbst ist unbewohnt.

Als Basis und Rückhalt für alle Unternehmungen kommt für die Rockies nur die Canadian Pacific Railway17 in Betracht. Ihre Bahnhöfe sind in der Regel gleichzeitig Hotels18; daneben liegen einige Häuser der Angestellten. Im Übrigen gibt es weit und breit keine menschliche Behausung. Der Amerikaner liebt es, seine vielen Bahnen wie mit Kosenamen mit den Anfangsbuchstaben zu benennen, und so heißt diese Alleinherrscherin des Westens nur die C. P. R., eine Abkürzung, der auch ich mich heute bedienen möchte.

Die C. P. R. ist eine der mächtigsten Eisenbahnen der Welt. Sie bringt ihre Reisenden mit eigenen Dampfern und Bahnen in vier Wochen von Liverpool19 über Halifax20 – Vancouver21 nach Hongkong22 . Erst acht Jahre nach ihrer Eröffnung, im Jahre 1898, begann durch aufklärende Streifzüge kühner Touristen die Erschließung der Nebentäler nördlich und südlich der Linie. Manche dieser Expeditionen brachten wertvolle Ergebnisse; alle aber mussten, mit ihrer Ausrüstung auf Pferdetransport angewiesen, wegen Knappheit an Lebensmitteln vorzeitig abgebrochen werden. Noch heute ist die Schwierigkeit der Verpflegung das ernsteste Hindernis für alle größeren Entdeckungspläne in den Rockies, in denen es keine Wege, keine Brücken und keine Menschen gibt. So kommt es, dass durchgehend 50 Meilen nördlich der Bahn eine Terra incognita23 liegt, von der es noch keine annähernd richtige Karte gibt. Dort werden künftige Forscher aller Wahrscheinlichkeit nach noch unendliche Gefilde mit ewigem Schnee und Eis finden, die ihre Wässer in wildtosenden Bergströmen durch tiefe Täler und undurchdringliche Urwälder ins Weltmeer entsenden. Selten nur jagen Indianer in diesen Bergfestungen. Hin und wieder werden Pelzjäger in dies seltsame, vergessene Land verschlagen, die die hoffnungslose Hoffnung, reich zu werden, in die Einsamkeit trieb.

Vor Eröffnung der C. P. R.24 brauchten die wenigen Reisenden, die bis zu den Rocky Mountains vordrangen, drei bis vier Monate, um an ihren Fuß zu gelangen. Noch heute, 20 Jahre nach der Eröffnung, machen sich verhältnismäßig wenige Touristen den Weg zunutze, der sie so bequem zu einem wirklich noch unerforschten, herrlichen Erdwinkel bringt.

Am 2. August verließen wir Chicago25 und reisten via St. Paul26 und über die Sooline27 dem Nordwesten zu. Im Zuge freundeten wir uns mit Herzbergs, Deutsch-Amerikanern aus Millwaukee28, an – zumal mit ihr. Ihr Redequell, der nie versagend während der ganzen Reise sprudelte, sorgte dafür, uns über die trostlos eintönige Fahrt durch die Prärie hinwegzutäuschen. Am zweiten Tag erreichten wir die Hauptlinie der C. P. R. in Moose Jaw29 (z. D. „Elendtiers Kinnbacken“) und kamen endlich am 5. August mit vier Stunden Verspätung in Banff30 an. Die Bahn ist auf ihrer ganzen Länge eingleisig, ein kleiner Erdrutsch hatte einen Güterzug zum Stehen gebracht: oder wie unser farbiger Service-Mann im Schlafwagen sagte: „The scenerie had come down“ – und damit alle entgegenkommenden Züge aufgehalten.

Mit unserem Baedecker glaubten wir in Banff, dem Sitz der Verwaltung der Rocky Mountains Park of Canada31, ins Zentrum der Touristengegend gekommen zu sein.

Der Anfang entsprach allen unseren Erwartungen. Von der Bahn brachte uns der Hotelwagen durch herrlichen Wald bergauf zu einem Prachthotel32 der C. P. R.. Ein rings von Galerien und Veranden umgebener Holzbau, hängt es kühn an der steil abfallenden Ecke eines Felshügels und blickt senkrecht hinunter auf den Zusammenfluss der reißenden Spray mit den Wildwässern der Bow33.

Das Hervortreten heißer Schwefelquellen, die äußerlich und innerlich heilen sollen (wir haben sie nur äußerlich versucht und da haben sie uns nicht geschadet) hat die Anlage des Ortes und den Bau des Hotels ursprünglich veranlasst. Letzteres besitzt denn auch sein eigenes Schwefelwasserschwimmbassin.

Der Blick von den Terrassen des Hotels ist bezaubernd; er erinnert mit den umrahmenden Kahlköpfen in etwa an das Etschtal bei Meran34.

Herzbergs brachten uns mit einem deutschen Musikus aus Millwaukee, Herrn Schmaal, zusammen, der uns verriet, dass in Banff für uns nicht viel zu holen sei. Man kann hier einige nette Wagen- und Bootstouren machen, angeln, auf der Hotelterrasse sitzen und in Schwefelwasser baden. Aber das war nicht das, was wir suchten.

Nachmittags erstiegen wir mit den Herzbergs Tunnel Mountain35, einen Aussichtspunkt, dessen sehr lohnende Aussicht Baedecker mit x x36 bedenkt.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang, von der Hotelterrasse aus genossen, beschloss diesen ersten Gebirgstag.

Unsere Versuche, in Banff Landkarten zu bekommen, missglückten gänzlich. Zwar gibt es solche von den Haupttouristenzentren, die eine allgemeine Orientierung gestatten, aber diese Karten waren im Bezirk selbst nicht zu haben. Wir haben sie später in Montreal37 bekommen. Doch stehen in den Lesezimmern der C. P. R.-Hotels leidlich gute Reliefkarten, nach denen wir Bleistiftskizzen entwarfen.

Ein Versuch, unsere schweren Schuhe nageln zu lassen, hatte auch nur sehr schwachen Erfolg. Wir bekamen nur kleine Golfnägel mit Stecknadel großen Köpfen. Sie waren aber immer noch besser als gar nichts.

Montag, den 6. August, marschierten wir früh mit Herrn Schmaal dem Lake Minnewanka38 zu. Der entsetzlich staubige Weg geht an einem Wildgarten vorbei, in dem der frühere Beherrscher der Steppen, der Büffel, vor gänzlichem Aussterben bewahrt wird. Wir bekamen dann auch einige Prachtexemplare zu Gesicht. Nach Überschreitung des Cascade Creek39 erreichten wir, über einige bewaldete Hügel, den See. Wir heuerten eine Dampfyacht, die uns in drei Stunden hin und zurück brachte. Nach Umfahrung der ersten Ecke verliert der See in etwa seinen Königssee artigen Charakter, den die Felsenterrassen und die Bergspitzen mit ihren von Lawinen durchfurchten Flanken hervorrufen, da die mehr zurücktretenden Berge hier hoch hinauf dicht bewaldet sind.

Die Wälder machten bei aller Pracht einen bejammernswerten Eindruck. Von Waldpflege ist selbstverständlich gar keine Rede. Die Wälder Kanadas werden alljährlich von verheerenden Bränden heimgesucht, deren Spuren für Jahrzehnte das Bild der Landschaft zerstören und zu deren Bekämpfung dem Gouvernement fast keine Leute zur Verfügung stehen. Nackt und kahl bedecken die schwarzen abgebrannten Stämme die Berge, deren Grate sich wie ausgebrochene Kämme vom Himmel abheben. Dazwischen sprossen wieder junge Bäume empor, und rings wuchert üppig junges Grün mit prachtvollen Alpenblumen.

Am Ende des Sees nahm unser kleiner Dampfer “Lady of the Lake“ frisches Brennholz. Wir bummelten zu einigen merkwürdigen Felsgebilden, von den Indianern „Hoohoos“, Gespenster, genannt und betraten dabei zum ersten Mal in Kanada den Urwald. Bis zu den Felsen war eine Art Pfad geschlagen, aber rechts und links desselben war jedes Vordringen ohne Beil unmöglich. Lebende und tote, rindenlose und mit Moos bewachsene Stämme, umgestürzt oder niedergebogen, Holz jeder Größe, in jedem Stadium von Wachstum oder Verfall, bildete mit den aufrechten Waldriesen ein unentwirrbares Chaos.

Bär und Bergziege, die man vom Dampfer häufig sehen soll, bekamen wir leider nicht zu Gesicht.

Gestärkt durch einen Lunch von Seeforellen unter Musikbegleitung von unseres Meisters Hand rasten wir unsere 15 km wieder heimwärts. Freund Schmaal wollte sein Training an uns auslassen, aber wir hatten längere Beine.

Unterwegs sahen wir plötzlich, wie an den beiden Flanken des Cascade Mountain40 dunkle kupferfarbige Nebel hochkamen, die Wahrzeichen entstehender Waldbrände. Mit wachsendem Wind wälzten sich die Wolken das Tal hinauf und entzogen die Gipfel gänzlich unserem Auge. Die Luft wurde verdächtig heiß und schwer, und ein scharfer Geruch von Höhenrauch bestürmte unsere Nasen.

Abends im Hotel lernten wir durch Schmaal eine Gesellschaft New Yorker Damen, Frau Fechteler mit Töchtern und Miss Gibson, kennen, die für Ende der Woche einen Führer mit Pferden ins Yohotal41 engagiert hatten und uns freundlicherweise aufforderten, uns ihnen anzuschließen.

Zur Bekräftigung der neuen gemeinsamen Interessen verabredeten wir zum nächsten Morgen eine Besteigung des Mount Sulphur42, auf dem die Schwefelquellen entspringen. Durch irgendein Missverständnis verfehlten wir uns leider und zogen ohne Damen los. Die Aussicht vom Mount Sulphur ist lohnend, aber kaum umfassender als die vom Mount Tunnel. Sehr naiv führt zwar ein Reklamebuch der C. P. R. alle Punkte an, die hier sichtbar sind und schließt: „Und wäre der Berg noch höher, so würde auch der Mount Assiniboine43, das Matterhorn der Rocky Mountains44, sichtbar sein.

Gesehen haben wir diesen schönen Berg also nicht; ich kann ihn jedoch als eine charakteristische Erscheinung im Bild, das ich dem Führer Feuz verdanke, vorführen.

Wir lagerten kurze Zeit auf der Spitze und entdeckten unter uns, auf der anderen Talseite, plötzlich ein kleines weißes Wölkchen, das wir zuerst für eine weitere warme Schwefelquelle hielten. Doch bald wurde es größer, und wir erkannten abermals einen beginnenden Waldbrand. Gelegentlich sahen wir glühende Zungen am Himmel lecken. Wenn ein besonders vertrockneter Holzstoß Feuer fing, schossen Feuergarben in die Höhe, glühende Holzstücke mit 1.000 Funken flogen auf. Ihnen folgte, langsam aufsteigend, eine unendliche Rauchsäule, die sich schirmgleich grau über die Gipfel breitete.

Freund Schmaal war eines leichten Schwindels wegen nicht ganz bis zur Spitze mitgekommen. Uns war der Aufstiegsweg zu zahm, deshalb schnitten wir bergab, einem Wasserrinnsal folgend, so geschickt ab, dass wir bald an senkrechten Felsen festsaßen, tüchtig klettern mussten und eine halbe Stunde mehr brauchten als beim Aufstieg.

Damit war Banff für uns erledigt. Wir beteiligten uns noch an dem Nachmittagsvergnügen der Hotelgäste, dem gemeinsamen Bad in dem heißen Schwefelbassin, dessen 90° Fahrenheit-Grade45 keine Erfrischung brachten.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Laggan46 ab. Unsere Ausrüstung war wertvoll vermehrt durch einen von Herrn Schmaal entworfenen neuen Reiseplan und seinen Rucksack, den er uns freundlichst geliehen. Die hübsche Fahrt dauert nur eine Stunde. Wir bekamen auf ihr die ersten Gletscher zu Gesicht.

An der Station nahmen uns der C. P. R. gehörende Fuhrwerke auf, die uns nach Lake Louise47 brachten. Die Amerikaner in unserem Wagen fahren, wie die meisten ihrer Landsleute, mit durch keine Sachkenntnis getrübtem Blick durchs Land. Ein alter Herr fühlte das Bedürfnis, sich bei uns über Berge und Gletscher etwas zu informieren. „Da können Sie einen Gletscher herunterkommen sehen“, sagte ich ihm an einer Wegecke, worauf prompt die naive Frage einer Miss erfolgte: „Oh, can you see it moving?“

Die C. P. R. hat vier erstklassige Interlakener Führer48, Eduard Feuz mit Sohn und Neffen und Christian Kaufmann, während der ganzen Saison gegen festes Gehalt angestellt und überlässt sie ihren Gästen gegen den billigsten Satz von fünf Dollar pro Tag.

Wir hatten uns am Lake Louise auf eine Hochtour gespitzt, doch trafen wir es unglücklich an. Kaufmann war mit Feuz auf einer 14-tägigen Tour. Wir mussten daher für beide Stationen auf Hochtouren verzichten, sicherten uns aber für Glacier49 die Dienste des dort stationierten Ed. Feuz jun.

Wenige Meter vom Nordufer des Sees liegt einsam ein kleines schlossähnliches, „Chalet“ genanntes, Holzhotel der C. P. R.50.

Der Lake Louise51, der unterste und größte einer Reihe von übereinander liegenden Seen, denen man den passenden „Lakes in the Clouds“ beigelegt hat, dürfte wohl selbst in diesem mit Seen so überreich geschmückten Land seinesgleichen suchen. Umkränzt von dunklen Fichten, ringsum eingeschlossen von Bergen mit gewaltigen Gletschern, die sich in seinen ruhigen dunkelblauen Fluten wunderbar spiegeln, bietet er ein Landschaftsbild von märchenhafter Schönheit. Unter den Bergen, die ihn umrahmen, ragt der Mount Lefroy52 hervor, der nach dieser Seite in unzugänglichen, von Hängegletschern gekrönten Felswänden abstürzt, und der majestätische Mount Victoria53 mit seinen schimmernden, von Lawinen durchfurchten Schneeflanken und schön geschwungenen Graten, deren Scharten und Türme sich scharf gegen den Himmel abheben.

Wir machten uns noch vor Tisch auf die Beine zu den beiden anderen Seen Lake Mirror und Lake Agnes.

Der Mirror Lake54 trägt seinen Namen nach den wundervollen Bildern der ihn überragenden Gipfeln, vor allem des Mount Beehive55, die sich in seinen Wassern spiegeln.

Vom Wege zum Lake Agnes56, auf dem wir ein Volk ganz zahmer Goose (Haselhühner) trafen, hat man einen sehr schönen Blick auf die Berge des Lake Louise. Der Lake Agnes, tief grün mit klarem durchsichtigen Wasser, umgeben von einem Amphitheater trotziger nackter Felsen, die grimmig und schweigend auf ihn niederblicken, macht einen wilden, fast finsteren Eindruck.

Im Lake Louise Chalet besteht wie in Field57 die ganze Bedienung aus Chinesen, die für unsere Ungeduld viel zu langsam aufwarteten.

Nachmittags erkletterten wir den Saddleback58, eine Matte, die sattelgleich zwischen zwei Bergspitzen liegt. Den steinigen Aufstieg hinauf ertönte unaufhörlich der Pfiff der zahlreichen Murmeltiere, die wir auch verschiedentlich zu Gesicht bekamen, und kurz vor der Höhe konnten wir längere Zeit einen Luchs beobachten.

Der Sattel bot einen prachtvollen Blick in das am Fuße des Mount Temple59 gelegene, in herrlichsten Blumen prangende Paradise Valley. Trotz vorgerückter Stunde, es war fast 17.30 Uhr, beschlossen wir, eine den Sattel überragende Spitze, den 2.700 m hohen Mount Fairview60 über steile lose Felstrümmer zu ersteigen. Die Aussicht auf den Victoria und seine Nachbarn, übergossen von den purpurnen Strahlen der Abendsonne, war prächtig. Rückwärts zeigte sich das Bowtal, aus dem die Sonne schon verschwunden war, als graublasse breite Waldwüste; soweit man sehen konnte, nichts als kahle schwarze verkohlte Stämme.

Wir hetzten hinunter und kamen mit Einbrechen der Dunkelheit zurück, um den prachtvollen Abend mit einer Bootsfahrt über den See zu beschließen.

Donnerstag, den 9. August, sah uns früh auf dem Wege zu dem „Valley of the Ten Peakes“61 und dem „Moraine Lake“. Der Weg bietet ganz überraschend nach dreistündiger Wanderung einen Ausblick auf die zehn Spitzen, die mit ihren schwarzen Schründen im Hintergrund aufragen.

Weiter ging’s am Rand eines Waldes vorbei, der viele Jahre vorher gebrannt hatte. Die hageren atlasschwarzen Stämme bildeten einen gespenstischen Hintergrund für Massen prächtiger goldgelber Gänseblumen, die in voller Blüte zwischen den Felsen emporsprossen, und über allem strahlte ein italienisch blauer Himmel. Gegen 12 Uhr kamen wir an den blauen Moraine Lake, der in den Ten Peaks und dem schroffen imposanten Kegel des Mount Temple eine Leibgarde besitzt, der sich kein anderer See rühmen kann. Wir fanden dort ein ständiges Zeltlager der C. P. R., in dem den Gästen vom Lake Louise Chalet freies Quartier und Verpflegung gegeben wird. Uns erquickte der einsame Wächter des Camps an diesem glühend heißen Morgen mit köstlichem Eistee. Er erzählte von der Erstbesteigung der Nr. 7 durch eine Engländerin mit Christian Kaufmann; sie hatten am See kampiert und die Besteigung in 23 ½ Stunden ausgeführt.

Die Zehn Spitzen hatten ihren Namen nach den indianischen Zahlwörtern, von denen nur noch „Hungabee“ und „Nepstuak“ in Erinnerung sind. Nur Nr. 8 heißt allgemein „Deltaform“; sonst ist es in den Rocky Mountains gebräuchlich, die Bergspitzen nach Personen zu benennen, die sich um die Erforschung des Gebirges62 verdient gemacht haben. Indianernamen hat es, soweit sich feststellen lässt, nie gegeben63.

Während unserer Mittagsrast zog ein Gouvernementsbeamter mit mehreren Damen und Herren, einigen Cowboys und etwa 25 Pferden vorbei, um zu Vermessungszwecken auf etwa vier Wochen in einem Nachbartal sein Camp aufzuschlagen.

Die Damen, in Hosen und Gamaschen sowie Schlapphüten etwas phantastisch angezogen, erinnerten ein wenig an amerikanische Kunstschützinnen auf dem Varieté.

In der Nachmittagshitze traten wir den Rückmarsch an, um leider allzu früh vom Lake Louise abzufahren.

Wir hofften, die berühmt schöne Eisenbahnfahrt zwischen Laggan und Field noch bei Tageslicht zurück zu legen, hatten aber unsere Rechnung ohne die obligatorische zweistündige Verspätung des Imperial Limited gemacht.

Mit einigen Kanadierinnen, die übrigens in Europas übertünchter Höflichkeit ganz gut bewandert waren, hockten wir vergeblich auf den Trittbrettern der D. Wagen – einem preußischen Zugführer hätten vor Entrüstung die Haare zu Berge gestanden; es war fast nichts mehr zu sehen. Doch sollten wir noch die große Sensation des Überschreitens der kontinentalen Wasserscheide erleben. Die vorsorgliche C. P. R. denkt auch an den Anschauungsunterricht für ihre oft etwas naiven Passagiere und bringt ihnen den wichtigen Moment drastisch zu Bewusstsein. Der kleine Bach, den Sie in der Mitte des Bildes sehen, teilt sich in zwei Wasserläufe, deren einer zur Hudson Bay, der andere zum Pazifischen Ozean fließt.

Am nächsten Morgen wiederholten wir die Bahnfahrt in umgekehrter Richtung bis zur Station Hector64, über die Schwellen der Eisenbahn zurück.

In Field65, der Reparaturstätte der C. P. R. am Fuße des Mount Stephen66, mit einem Bahnhotel, war inzwischen unsere Gesellschaft für das Yohotal, Frau Fechteler mit den jungen Damen, eingetroffen. Dagegen fehlte Tom Martin, der engagierte Führer. Gegen Abend machte ich einen Bummel zu der sogenannten Natural Bridge67 über den Kickinghorse River68, einer Schieferbank, die sich im Fluss von einem Ufer zum anderen erstreckt. In der Mitte befindet sich ein Ausfluss, durch den sich der, durch das heiße Wetter stark angeschwollene Gletscherstrom mit unerhörter Gewalt brausend seinen Weg bahnte. Die C. P. R. hat die Brücke durch einen Zementsteg ganz geschlossen.

Wie Sie auf dem, von Frl. Else Fechteler aufgenommenen Bilde sehen können, war dieser Steg zur Zeit der Aufnahme gut passierbar. Ich kam etwa eine Stunde später und konnte schon nicht mehr hinüber, weil die rasenden Wasser oft meterhoch über die Bank hinweg schossen – dass es Geländer im freien Amerika nicht gibt, brauche ich wohl nicht hinzuzusetzen.

Während die anderen den Sonnabend als Ruhetag benutzten, beschlossen Else Fechteler und ich, den Mount Field69 zu ersteigen. Wir zogen früh los, verpassten aber, mangels jeder Karte und Wegbezeichnung, den Fußpfad und gerieten in einen Wegebau des Gouvernements zum Yohotal.

Wir drehten nach langem vergeblichen Suchen um, hatten auf dem Rückweg einen sehr schönen Blick auf den Mount Stephen und zogen in drückendster Mittagshitze gegen 12 Uhr nochmals los, diesmal richtig durch den Wald zum Burgess-Pass hinauf. Der führt über die Schulter des steilen Mount Burgess71 hinab zum Emeraldsee72, über dessen dunkler Wasserfläche ein Weißkopf-See-Adler seine Kreise zog. Dem Pass gegenüber zeigten sich die steil abfallenden Mauern der Emeraldrange, rechts erschien unser Ziel, Mount Field, und sein massiger Nachbar, der Mount Wapta73.

Hinter uns war alles trüb und dunstig. Die ungeheuren Waldbrände, deren Beginn wir in Banff miterlebt hatten, erfüllten die ganze Gegend mit Rauch und Dunst. Dieser legte sich uns, je höher wir kamen, um so trockener auf Hals und Kehle, so dass ich, der ich fast nie auf Touren trinke, mit unerträglichem Durst zu kämpfen hatte.

Der Himmel war von einer gleichmäßig trüben, bleiernen Farbe, und statt leichter flockiger Wölkchen an den Bergflanken breitete sich ein schmutziggrauer Mantel eintönig über die Bergwelt.

Wir entschlossen uns doch, weiter zu klettern und wurden merkwürdigerweise in der Höhe von 2.500 m, weit über dem Waldrand, furchtbar von Moskitos74 zerstochen, die der Rauch aus den Wäldern in die Höhe getrieben hatte.

Der Mount Field erwies sich schließlich als stärker wie wir. Zwei Stunden kletterten wir über sehr steiles Geröll, das bei jedem Tritt rutschte, hinauf. Mit unseren mangelhaft genagelten Stiefeln ohne Pickel oder Stock mussten wir uns einige 100 m unter der Spitze als geschlagen bekennen. Ein schwacher Trost war, dass es schon reichlich spät geworden war und dass die Aussicht des Rauches wegen gleich Null gewesen wäre. Mit Beginn der Dunkelheit kamen wir wieder unten an. Tom Martin war immer noch nicht eingetroffen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit den drei jungen Damen per Bahn die schon zweimal befahrene Strecke nach Hector, von wo sich ein sogenannter Trail das Cataracttal75 am gleichnamigen Creek hinauf zum Lake O’Hara76 und weiter zum Lake McArthur77 zieht; beide waren erst kürzlich entdeckt worden.

Unter einem Trail dürfen Sie sich nun keinen Fußpfad nach Art unserer Waldwege vorstellen. Von Menschenfuß und Pferdehuf niedergetretene Grashalme, hie und da Fetzen mit dem Beil abgehauener Baumrinde zeigten allein, wo vor uns schon einmal ein Mensch gewandelt war.

Der Trail führte durch einen lichten Niederwald, dessen Silberbirken und Tannen mit üppig wucherndem Grün durchsetzt waren, dann durch stark vom Sturm mitgenommenen Hochwald. Seite an Seite mit dem kraftvollen jungen Nachwuchs bot sich ein Bild des Verfalls: eine traurige Reihe gefallener Waldmonarchen, erhaben noch in ihrem Sturz, mit Moos bewachsene Stämme von ungeheurem Umfang, die langsam vermodernd dort lagen, deren Leben und Saft dahin gegangen war, um ihren jungen Erben Nahrung zu geben.

Es war ein herrliches Stück imposanter echter Hochgebirgsszenerie, das wir am O’Harasee fanden; er spiegelte in seinen Fluten die steil abfallenden Hänge der Bergriesen Victoria, unseres Freundes vom Lake Louise, und des Mount Huber78.

Leider sollten wir uns nicht allzu lange seiner Schönheit erfreuen. Es fing ganz leise an zu regnen, und da wir keinen Unterstand fanden, machten wir uns in der Hoffnung, dass der Regen bald aufhören würde, weiter auf den Weg zum MacArthur.

Der Trail verlor sich bald ganz; wir mussten uns auf gut Glück durch die Wälder schlagen. Doch der Regen wurde dichter und dichter; schließlich goss es Bindfäden, so dass wir ein weiteres Vordringen aufgeben mussten. Unter einem großen Baum mit etwas Regenschutz wurde der Rucksack ausgepackt. Dann ging es im strömenden Regen drei Stunden zurück. Zwei schon auf dem Hinweg recht wasserreiche Gletscherbäche, die wir natürlich ohne Brücke queren mussten, waren durch den Regen enorm angeschwollen und trugen nicht dazu bei, unser nasses Schuhzeug zu verbessern. Aber der gute Humor ging nicht verloren, und wir kamen, äußerlich wie die Landstreicher, bis auf die Haut nass, sehr vergnügt zur Station Hector zurück.

Dort hätten wir in nassen Kleidern über vier Stunden an dem einsamen Stationshäuschen auf den nächsten Zug warten müssen. Da der Regen inzwischen aufgehört hatte, beschlossen wir, die drei Stunden nach Field über die Bahn heimwärts zu wandern – also denselben Weg, den Probst und ich schon am Donnerstag zurückgelegt hatten. Die heutige Tagesleistung betrug etwa 1.000 m Steigung im Ganzen 49 km, von denen wir die letzten 15 über Schwellen gingen, was nicht besonders bequem war.

Die Bahn führt hoch an beiden Seiten des Kickinghorse Flusses vorbei, der tief in der Schlucht zu unseren Füßen rauschte. Hier und da leuchteten weiß schäumend die Wassermassen aus der dunklen Tiefe durch das dichte Gezweig. Verschiedentlich hatten wir hohe Eisenbahnbrücken zu überschreiten, die ohne Geländer und Zwischenlagen zwischen den Schwellen anfangs eine etwas ängstliche Passage für die Damen waren. Doch bald hatten wir uns an den Anblick des unter uns schäumenden Wassers gewöhnt, und fast im Laufschritt ging es über die Schwellen. Hoch über uns zur Linken ragten die prachtvollen Zinnen und Türme des Cathedral Mountain79, und schließlich erschien unser alter Freund, der Mount Stephen.

In Field fanden wir zu unserer großen Freude Frau Fechteler in Unterhaltung mit Tom Martin, der eben zurückgekehrt war. Er machte uns die betrübliche Mitteilung, dass er auch am nächsten Tag noch nicht marschbereit sei, da ihm vier nötige Pferde fehlten.

Um uns für unser viertägiges Warten zu entschädigen, machte er uns den jubelnd aufgenommenen Vorschlag, mit ihm heraus zu reiten, um diese fehlenden Pferde zu fangen.

Das Bild zeigt uns beim Ausritt am nächsten Morgen. Die beiden Damen gingen im Herrensitz, der im Dickicht allein richtig und möglich ist. Flott an die Spitze, und nun ging’s die Straße entlang stromabwärts in die Wälder. Bald kamen wir an einen Hang, der kurz vorher noch gebrannt hatte und jetzt schwarz, seines schönen Urwaldes beraubt, einen melancholischen Anblick darbot. Eine Wüstenei von verkohlten Stämmen, niedergedrückten Büschen und glühender Erde. Der Regen des vorhergehenden Tages hatte die Glut des Feuers gedämpft, aber das noch feuchte Unterholz glomm an verschiedenen Stellen. Die langsam absterbende Flamme wurde hier und da wieder lebhafter, und beim nächsten schönen Wetter begann sie ihren verheerenden Weg von neuem.

Nach einigen vergeblichen Streifzügen rechts und links der Straße führte uns Martin zum Kickinghorse River. Aber als er den angeschwollenen schäumenden Strom prüfte, der durch sein felsiges Bett dahin schoss, da wollte er schweigend wieder umdrehen. „Warum drehen Sie um?“, fragte ihn das ältere der beiden Mädchen. „Der Strom ist zu tief, und das ist nichts für Damen“, entgegnete Martin. „Unseretwegen nur kein Stoppen. Wir fürchten uns nicht vor dem Nasswerden. Wir nehmen die Beine hoch.“ „Allright“, sagte Martin. „Pferdeköpfe gegen den Strom und rein ins Wasser!“

Das Durchqueren der schäumenden Bergströme in der Zeit des hohen Wasserstandes ist oft schwierig – weniger wegen ihrer Tiefe als wegen ihres außerordentlich schlechten, aus Felstrümmern, lockeren Bodens und der reißenden Stromgeschwindigkeit. Die indianischen Ponys, etwa in der Größe der italienischen Maultiere, sind in der Regel wunderbar geschickt darin, ihren Weg durch die Ströme allein zu finden, wenn man sie in Ruhe lässt. Doch sind die einen darin erfahrener als die anderen. Immerhin ist für den Anfänger der Gedanke nicht ganz gemütlich, dass man sich wehrlos dem Eigenwillen eines solchen Pferdchens anvertrauen soll.

Diesmal ging alles gut; das Wasser ging etwa bis in die Höhe der Sättel, so dass die Wellen recht häufig über uns wegspritzten und uns völlig durchnässten. Aber die Pferde fassten schnell auf dem anderen Ufer Boden.

In das von Wasserläufen durchzogene Tal hatte Martin mehrere Pferde vor 14 Tagen auf die Weide gebracht. Dort werden sie sich vollständig selbst überlassen. Da sie Wasser außerordentlich lieben und wie die Enten schwimmen können, so ist es oft recht schwierig, sie wieder zu finden. Wie sich später herausstellte, hatten sie den Strom an einer Stelle durchquert, während wir herüberritten. So fanden wir keine Spur von ihnen. Dagegen jagten wir ein großes Stachelschein auf, das ängstlich zwischen den Beinen unserer Pferde dahinlief und sich schließlich auf einen Baum rettete.

Dieses Reiten durch Busch und Sümpfe auf der Pferdesuche erinnerte wirklich an die alten Indianergeschichten, die uns als Kinder erfreuten. Es fehlte nur, dass die roten Brüder aus dem Dickicht hervorbrachen, die weiße Maid raubten und die Männer an die Bäume banden – ich wäre ja dabei ziemlich unverletzt ausgegangen, da die Kerle mit meinem Skalp wohl wenig hätten anfangen können80.

Nach einigen Stunden vergeblichen Suchens mussten wir durch den Strom zurück. Diesmal ging es nicht so zahm. Tom Martin voran, prüfte die Furt und rief uns, als er etwa drei Viertel der Strombreite hinter sich hatte, zu, wir möchten folgen. Aber kaum waren wir in dem Wasser, als sein Pferd den Boden verlor und mit ihm abwärts trieb. Er brachte es schnell auf eine Bank und an Land. Hinter ihm kam Margarethe Fechteler mit ihrem Pferd in das gleiche Loch. Das Pferd fiel seitlich, sie rutschte hinunter und ließ die Zügel los. Glücklicherweise war sie eine gute Schwimmerin, die sich oben halten und sich ziemlich bald an den Wurzeln eines umgefallenen Baumes, der auf einer Bank im Strom festhing, fassen konnte. Dort hing sie nun in dem eiskalten Gletscherwasser. Ich war zunächst hinter ihr, mir auf den Fersen Else Fechteler. Als diese den Unfall sah, trieb sie mit furchtbarer Gewalt ihr Pferd an, um ihrer Schwester zu helfen. Sie kollidierte dabei mit mir, wobei auch ihr Pferd zu Fall kam und sie selbst hinunterfiel. Doch hielt sie sich an der Mähne fest und konnte mit dem Pferd an einer weniger tiefen Stelle des Flusses wieder Fuß fassen. Dort sprang auch ich in das Wasser und half ihr wieder auf das Pferd, während Martin vom Ufer aus die gefährdete Schwester rettete. Probst kam zum Schluss, ganz ohne Unfall; nur seine schöne weiße Flanellhose hat sich nie wieder von den Strapazen des Tages erholt.

Am Tage meiner Abreise von New York hatte ich dort im Zirkus eine Wasserpantomime gesehen. Ich kann Ihnen versichern: es war nichts gegen das, was wir selbst mitgemacht haben.

Es wurden nicht viel unnütze Worte verloren. Bei strahlender Mittagshitze ritten wir weiter. Noch zweimal ging’s durch den Fluss. „Leider ohne mehr wie nasse Füße“, sagten die Damen. Und damit Mama sich nicht zu sehr entsetzte, schließlich so lange, bis alle Kleider wieder trocken waren. Es war inzwischen 3 Uhr nachmittags geworden. Wir waren sieben Stunden im Sattel und beschlossen, auch ohne die Pferde gefunden zu haben, heimzukehren. Martin ging allein weiter auf die Suche und kam glücklich eine halbe Stunde nach uns mit ihnen an.

Am 13. August sah der Himmel nicht sehr versprechend aus, als unser Tross sich auf die Reise machte. Er bestand aus den drei Damen Fechteler, Miss Gibson, Probst und mir, Tom Martin, einem Cowboy, sechs Reit- und drei Packpferden, die unsere Zelte und Lebensmittel trugen.

Es ging wieder zum Burgess-Pass hinauf. Doch merkten wir auf dem Pferderücken bald, wie steil der Weg eigentlich war. Ich zog es vor abzusteigen und meinen Braunen mit den Packpferden laufen zu lassen, was ihm und mir weit bequemer war. Ich bin auch bei dieser Taktik stets geblieben, wenn nicht Sümpfe oder Wildwässer mich zwangen, für kurze Zeit aufzusitzen. Unser Cayooses, wie die indianischen Ponys im Land genannt werden, waren wohl zum Teil noch etwas müde von der vorigen Reise. Oder sie hatten eine geringere Portion Verbrechertums in sich als ihre Vettern. Hin und wieder stürmte wohl das eine oder andere wild durch die Wälder und schüttelte im Laufen Töpfe, Pfannen und Kochkessel ab. Zuweilen zeigte auch der alte Schimmel sein Missfallen mit dem Reiter dadurch, dass er dessen Beine an den Baumstämmen abzustreifen versuchte. Doch passierte es uns nicht wie anderen Touristen, dass die Pferde nur um des Vergnügens willen, das Gepäck zu durchnässen, kopfüber ins Wasser sprangen und durch die Flüsse schwammen.

Auf der Passhöhe kamen wir im vollständigen Nebel an, der sich bald in Regen auflöste. Wir zogen an den Flanken unseres alten Feindes Mount Field entlang und unter Mount Wapta her zur Wasserscheide zwischen Emerald Lake und Yohotal, auf welcher ein schöner See gelegen ist. Dann ging es mehr rutschend wie gehend – Mensch sowohl wie Pferd – durch meterhohes dichtes Buschwerk hinab zur Sohle des Yohotals. Nicht weit vom Talboden hatten wir den ersten Blick auf die gegenüber liegenden Gletscher. Wir sahen den Gletscherbach, der in mächtigem Fall über eine fast senkrechte Wand in einer Höhe von 660 m hinab zum Talboden stürzt. Nicht weit von seinem Fluss und selbst wieder unterhalb eines anderen kleinen Wasserfalls machten wir Rast. Der Regen war inzwischen so stark geworden, dass wir beschlossen, hier zu bleiben und das Lager aufzuschlagen. Martin war ein Künstler mit der Axt. Es war ein Hochgenuss, ihm zuzusehen, wie er Bäume für Zeltstämme fällte oder Brennholz spaltete. Da saß jeder Hieb auf dem richtigen Fleck. Wir legten helfend Hand an beim Absatteln der Pferde, die, sich ihrer Last ledig, frei im hohen Gras wälzten, beim Holzspalten und Wasserholen.

Auch bemühten wir uns mit vielem Fleiß, aus einem großen Stamm eine Bank für unsere Damen zu glätten und waren tief geknickt, als der Cowboy in einem unbewachten Augenblick diese in gänzlicher Verständnislosigkeit mit verfeuerte. Die Damen halfen nach Kräften Tom Martin, der ein vorzüglicher Koch war.

Das Yohotal zeichnet sich durch die große Zahl seiner gewaltigen Wasserfälle und seine schroffen Felswände aus. Es fehlen scharf ausgeprägte Bergformen, man sieht hauptsächlich Spitzen, die sich verhältnismäßig wenig, wie Felseninseln über die Gletscher, die sie überragen, erheben. Firnflächen von weiter Ausdehnung, die in der Entfernung fast eben aussehen, geben der Landschaft eine gewisse Ähnlichkeit mit den norwegischen Fjords.

Gegen Nachmittag hörte der Regen auf. Das nutzten wir aus, um bis zum Fuß des Wasserfalls durch Wald und Sümpfe zu waten; denn der Trail war durch den Regen fast ungangbar geworden. Uralte Fichten und Zedern, zum Teil fast 70 m hoch, behangen mit langen Bärten von grauen, schwarzen und gelben Flechten, wölbten sich über unseren Köpfen. Hier und dort waren ganze Baumgruppen vom Sturm umgeweht worden. Die Stämme, im wilden Durcheinander aufgeschichtet, bildeten ein Wirrnis, das unser Vordringen sehr langsam machte.

Durch das dunkelgrüne Baumdickicht erblickten wir die wie aus Wolken herabtosenden, silber leuchtenden Wasser des Takakkaw-Falls81, der ohne die Felskante zu berühren, uns gegenüber in das Tal hinabschoss, um sich alsbald in eine mächtige Staubwolke aufzulösen. Donnernd schlugen die Massen unten auf, und von innen zogen sich Regenbogen schillernde Staubschleier zu beiden Seiten der Felsmauer hin.

Müde und durchnässt kamen wir um 7 Uhr zu unserem Camp zurück, wo uns im großen Zelt das Abendbrot erwartete. Am Feuer wurden Schuhe, Strümpfe und Kleider getrocknet – eine Beschäftigung, die zu vielen Scherzen Anlass gab. Schließlich gruppierten wir uns bei Beginn der Nachtkälte so nahe um die glühenden Holzscheite wie die Gefahr des Verbrennens dies eben zuließ. Olle Kamellen und Kölsche Krätzchers, ins Englische übersetzt, machten die Runde; schließlich entdeckten wir das tiefe Gemüt, wofür wir Deutschen ja in Nordamerika bekannt sind, und sangen so gefühlvoll und sentimental wie möglich alte Volkslieder und Studentenlieder, die allen Bären des Yoho auf Wochen ihre Heimat verleidet haben mögen. Die drei Girls antworteten mit American Songs, und unser Cowboy, den wir durch „Die Wacht am Rhein“ begeistert hatten, sang uns Prärie- und Indianerlieder.

Schweigend, die Pfeife qualmend, saß Tom Martin dabei; ihm sei in vier Jahre langem einsamen Trapperleben das Singen und Erzählen vergangen Er war bei aller Zuvorkommenheit und Gefälligkeit ein schweigsamer Mann.

Wir fanden am nächsten Tag im Wald ein verfallenes Blockhaus. Das weckte wohl Erinnerungen an frühere Tage, die auch seine Zunge lösten. Er erzählte von Leuten, die wie er selbst dieses einsame Schweigen in den Riesenforsten zwischen den Bergen lieben und stumpf gegen die Gefahr, nicht achtend die Entbehrungen, der Pelzjagd nachgehen, die ihnen kargen Lohn einbringt. Der bloße Gedanke an die Folgen eines alltäglichen Unfalls in der Wildnis dieser abgelegenen Bergwälder dürfte genügen, um die Menschen mit Durchschnittsnerven abzuschrecken.

Zwei Goldsucher verpflichteten sich einst vor Beginn ihrer langen Reise, dass der eine den anderen erschießen müsse, wenn er ein Bein brechen oder sich einen Fuß verstauchen sollte. Und wie groß muss der Mut des Jägers sein, der im tiefen Winter für Wochen allein in die Berge vordringt, sein Bündel mit einer Decke auf dem Rücken und für seine Verpflegung angewiesen auf sein gutes Auge und seine Büchse. Wenn er krank wird oder einen Unfall erleidet, darf er auf keine Hilfe rechnen. Von dem schrecklichen Schicksal, dem der einsame Hinterwäldler ständig Auge in Auge gegenübersteht, erzählt die Geschichte eines Bergmanns, dessen Leiche im Wald gefunden wurde: Neben ihm lag sein Bündel und an einen nahen Baum geheftet ein Papierzettel, auf dem gekritzelt stand: „Hier endet der Weg.“

Es ist ein unbeschreiblicher Zauber, der sich um diese einsamen Biwaks in der Wildnis der Rocky Mountains webt. Ungewiss scheint das Feuer, hin und wieder ein Aufflackern der Flamme, ein Lichtkegel, der für Augenblicke ein Gewirr von Felsblöcken und Wettertannen erkennen lässt; dazu die grenzenlose Ruhe des Hochgebirges, nur unterbrochen von dem eintönigen Rauschen der Gletscherbäche. Leise klagend streicht der Nachtwind um das Gestein; ächzend und stöhnend beugen sich ihm die Fichten.

Um 9 Uhr ging`s in die Falle, die etwas feucht und kalt war. Der erwartete Besuch von Stachelschweinen in den Zelten, den unser Freund Schmaal nachts im Yoho erlebt hatte, blieb leider aus. Dagegen hatten sich einige Ameisen auf dem Kriegspfad unsere müden Leiber als Tummelplatz ausersehen. Um 5 Uhr weckte uns der Cowboy mit dem beliebten Hinterwälderwitz:„Breakfast is ready in the dinig car.“

Ein nasses Zelt, triefende Bäume und nebelbedeckte Berge grüßten uns am Morgen. Trotzdem sollte aufgebrochen werden. Doch kaum begannen wir, uns hierzu zu rüsten, trieb uns ein mächtiges Gewitter in die Zelte zurück. Die Absicht, ins kleine Yoho, ein von Martin vor acht Tagen entdecktes Nebental, zu gehen, musste aufgegeben werden. Der starke Regen hatte einen Teil der Bergpfade gänzlich unpassierbar gemacht. Wir behielten daher unser Lager auch für die nächste Nacht bei und bestiegen um 11.30 Uhr zu einem Nachmittagsritt die Pferde.

Unsere sechsstündige Tour brachte uns am Takakkawfall82 vorbei, dann ging’s den wilden Waptafluss83 entlang, den wir zweimal zu kreuzen hatten. Sein Wasser war nirgends mehr als drei bis vier Fuß tief, aber der Strom schoss dahin wie ein Mühlgraben. Die losen Steine und das Geröll machten es den Pferden sehr schwer, festen Fuß zu fassen.

Weiter kreuzten wir zwei Gletscherbäche, deren einer kurz vor seiner Mündung in den Wapta einen wasserreichen Fall bildet. Das Talende schließt der Waptagletscher, der in einer prachtvollen natürlichen Eishöhle endet; aus dieser schießt der Bergstrom heraus. Das Unwetter des vorhergehenden Tages hatte mächtige, grün schimmernde Eisblöcke vom Kopf des Gletschers abgebrochen, die Sie unten rechts liegen sehen. Auf dem Rückweg besuchten wir ein Nebental, das einen schönen Zwillingsfall enthält. Er wird von zwei Gletscherströmen gebildet, die sich oberhalb einer senkrechten Felswand getrennt über diese stürzen und sich an ihrem Fuße vereinigen.

Bewundernswert war es, wie unsere Pferdchen an diesem Tag die steilsten und schlüpfrigsten Pfade auf und ab klommen und sich über die im Wege liegenden Baumstämme und Steine selbst ihren Weg suchten.

Am nächsten Morgen früh hieß es Abschied nehmen vom Yoho, in dem Bergströme und Regen wohl unsere Kleider durchnässten, aber nicht unseren Mut herabstimmen konnten. Erstere wurden kurz vor dem Aufbruch nochmals gründlich getrocknet. Dabei passierte Probst das Unglück, dass seine einzigen schweren Stiefel in einem unbewachten Augenblick Feuer fingen und ihre vorderen Kappen verloren. Als alles wieder mit vieler Kunst auf Pferderücken verpackt war, ging es erneut zum Summit Lake84.

Wir jungen Leute ließen hier die Pferde zurück, um einen vielleicht 20 Minuten entfernten Aussichtspunkt zu ersteigen. Dann erwachte die Kletterlust, und so stiegen Else Fechteler, Probst und ich mit dem Cowboy an den steilen Hängen bis zum Gletscher hinauf, welcher die nördliche Seite des Berges bedeckt.

Eine prächtige Berglandschaft entrollte sich vor uns. Tief unten dehnte sich die grüne Sohle des Yohotals, durch das sich wie ein silbernes Band der Fluss dahinwand. Jenseits schoss hinter grünen Wäldern der Takakkawfall über die steilen Felswände hernieder, und im Hintergrund blinkte der Waptagletscher. Alle Höhen ringsherum waren mit Neuschnee bedeckt.

Das Klettern und Fotografieren hatte uns so lange aufgehalten, dass wir erst nach drei Stunden zu der übrigen Partie zurückkehrten. Dann ging’s hinab zum Emerald Lake85. Der Abstieg war wegen der schlechten Beschaffenheit der Wege nach dem Regen eine gefährliche Sache, obwohl in Anbetracht seiner Steilheit als auch wegen des schlechten Untergrundes. Der schlüpfrige Abhang war voller Löcher, durchwoben mit zähen Wurzeln. Viele verborgene Steine ließen die Pferde nach allen Richtungen stolpern.

Wir erreichten die Talsohle gegen 3 Uhr und kochten zum letzten Mal nahe dem See in entzückender Landschaft ab. Dann ging es am Ufer entlang durch Riesenfichten mit prächtigen, rot prangenden Stämmen und an einem kleinen C. P. R.-Hotel vorbei auf ausgezeichneter Gouvernementsstraße im Trabe zurück nach Field.

Der freundliche Wirt des Eisenbahnhotels hatte glücklicherweise ein Paar schwere Bergstiefel im Vorrat, die ein früherer Tourist zurückgelassen hatte und die Probst einigermaßen passten.

Am nächsten Morgen nahmen wir von unseren Freunden aus dem Yoho, denen ich übrigens meine besten Bilder verdanke, Abschied und setzten uns auf die Bahn nach Glacier86. Die stellenweise sehr schöne und auch bahnbaulich interessante Fahrt erinnert in vielen Partien an die Brennerbahn. Leider ist sie auch aus dem Aussichtswagen der Eisenbahn wenig sichtbar; wegen der Lawinengefahr ist die Strecke fast ständig mit Schneedächern, die nur gelegentliche Ausblicke auf die Berge erlauben, überbaut.

Jenseits des Roger-Passes87 zwängt sich die Bahn zwischen den Mount MacDonald88 und Mount Tupper89 hindurch. Letzterer, der bis dahin als unbezwinglich galt, wurde im vorigen Jahr von einem Leipziger Mitglied unseres Vereins, Herrn Köhler, bestiegen.

Kurz vor dem Glacier taucht der Zug aus einem langen dunklen Schneesheet90 auf; hier erscheint plötzlich und unerwartet der große Illecillewaetgletscher91 dem Auge – weiß schimmernd zwischen dunklen Forsten, während finster die prachtvolle Felsspitze des Sir Donald92 auf ihn niederblickt.

Der Eisenbahnstation Glacier gegenüber liegt das Schweizerhäuschen, das die C. P. R. ihren Führern93 dort erbaut hat. Auf dessen Veranda erwartete uns Feuz jr.. Wir verabredeten die Touren der beiden nächsten Tage, überantworteten ihm unser Schuhzeug, das nun endlich die richtige Nagelung bekam und stiegen inzwischen zu einem Aussichtspunkt, der etwa 600 m über dem Hotel94 liegt.

Die große Nähe des Ozeans und die feuchte Luft haben die Selkirkkette bis zu ungewöhnlichen Tiefen hinab vergletschert; andererseits haben sie ihre tiefen Hänge mit prachtvollen Bäumen und reichlicher Vegetation bedeckt. Schön war der Blick hinunter ins Illecillewaettal und auf die gegenüber liegende Hermitkette95, in der auch die einzig existierende, von der C. P. R. erbaute Berghütte ihren Platz hat. Nach dem Abstieg fanden wir noch Zeit, dem großen Gletscher selbst einen Besuch abzustatten. Nach den Büchern der C. P. R. ist er angeblich größer als alle Schweizer Gletscher zusammen. So erscheint er auch auf einer Reliefkarte im Hotel, während er in Wirklichkeit durch eine tiefe Schlucht in zwei Gletscher getrennt ist.

Die Tourenbücher in den Hotels wissen Wunderdinge von der unglaublichen Naivität der amerikanischen Besucher diesem Naturwunder gegenüber zu erzählen. So von einer Dame, die sich absolut nicht ausreden lassen wollte, dass die ganzen Gletscherspalten mit ihrem unnatürlichen Aussehen künstlich angelegt seien; so von einem Reisenden, der glaubte, die allgewaltige C. P. R. habe den Gletscher als ein Reklamestück dort oben aufgestellt – er hatte sich bei der Leiterin des Hotels erkundigt, ob er schon dagewesen sei, als sie das Hotel übernommen habe.

Der Weg zum Gletscher führt durch Trümmer einer enormen Lawine, die vor vielen Jahren vom Sir Donald niedergegangen war.

Hoch oben ragt dieser wie eine ebenmäßige Pyramide, das Matterhorn der Selkirks96, empor. Er wird umrahmt von einer Kette niedriger, aber nicht minder trotziger Trabanten, wie Eaglepeak97 und Mount Uto98, graugrüne Steinmassen, mit von Gletschern umrandeten Wänden. Die Höhe des Sir Donald beträgt rund 3.300 m. Die Station Glacier liegt auf etwa 800 m.

Die Besteigung des Sir Donald war unser heimlicher Ehrgeiz. Er erfordert aber zwei Führer pro Person. Da diese nicht aufzutreiben waren, mussten wir uns mit dem nächstbesten Mount Uto bescheiden.

Auf unserem Weg am nächsten Morgen zeigte uns Feuz die Stelle, wo er 14 Tage vorher mit unseren Freundinnen, den Fräuleins Fechteler, einem braunen Bären begegnet war. Leider hatten wir nicht den Vorzug. Dann ging es steil am Bett eines Gletscherbachs aufwärts. Hoch über uns türmten sich hohe Spitzen, und von den Gletschern, die ihre niedrigen Klippen überhängen ließen, stürzten unzählige Wasserfälle hinab. Manche mit reichlichem Wasser, andere wie ein Bündel Spinnweben – wogender Wasserdunst, vom Winde zerstreut, ehe er den Boden erreichte. Unser Weg zwang uns, etwa fünf bis sechs Mal unter diesen Wasserfällen hindurch zu klettern, was nicht ohne gehörige Durchnässung abging.

Nach etwa zwei Stunden kamen wir an kolossale Felstrümmer, Reste derselben mächtigen Lawine, die unten im Tal ihre Spuren hinterlassen hatte. Dann ging es über eine schlechte Moräne auf einen hängenden Gletscher zwischen Mount Uto und Sir Donald, den wir in ca. einer halben Stunde traversierten, und zum Sattel zwischen Uto und Eaglepeak. Hier wurde das Seil angelegt. Es begann eine zweieinhalbstündige ganz tüchtige Felskletterei, bei der verschiedene Platten zu überwinden waren und die vor allem außerordentliche Vorsicht erforderte.

Der ganze Berg besteht, wie fast alle anderen im Gebirge aus einer Masse bröckligen, verrotteten Felsens. Jeder Griff und jeder Tritt musste da probiert werden. Die Spitze wurde durch uns zum vierten Mal bestiegen. In diesem und dem Vorjahre war niemand oben gewesen.

Die Aussicht war außerordentlich lohnend. Etwa 400 m über uns ragte in unbeschreiblicher Wildheit und Schroffheit die luftige Zinne des Sir Donald, der das ganze Bild beherrschte. Unten blinkte in dunkler Tiefe ein kleiner blauer Bergsee; rings um uns erstreckte sich eine chaotische Wildnis von Spitzen, Schneefeldern und Tälern. Angeblich soll man von hier oben 150 Gletscher zählen. Da erblickt man unzählige hohe und stolze Berge, größtenteils noch unbekannt und noch unbetreten. Nach den Rocky Mountains zu war der Blick leider durch den Rauch von Waldbränden, die mit Beginn des schönen Wetters ihr verheerendes Werk wieder begonnen hatten, versperrt. Wir blieben bis gegen 14.30 Uhr auf der Spitze und dann ging es zum Abstieg. An manchen Stellen war dieser wegen der überhängenden Felsen und außerordentlich schmalen Bänder schwieriger als der Aufstieg. Schließlich ging es in gewaltiger Eile, Feuz konnte unheimlich laufen, über die Lawinentrümmer und durch den Wald hinab ins Tal, das wir nach 13 Stunden wieder erreichten.

Der nächste Tag, Sonntag den 19. August, war unser letzter in den Bergen. Wir nutzten ihn wiederum unter Führung von Eduard Feuz zu einem Besuch des Asulkan99-Passes und einer Besteigung des Mount Castor100. Wie schon öfter gesagt, liegt einer der Hauptreize des Landes in seinen ausnahmslos schönen Wäldern und Tälern. Mit eines der schönsten ist wohl das Asulkantal mit seiner wunderbaren Vegetation. Es wird eingerahmt von Bergkämmen mit enormen Gletschern, deren Schmelzwasser in unzähligen Kaskaden blitzend heruntergießen – wie Juwelen inmitten des Laub- und Nadelholzes.

Bis zum Gletscher führt durch dieses Tal ein guter breiter Pfad. Dann geht es drei Viertel Stunden lang über eine bequeme Moräne und fünf Viertel Stunden über den stark verworfenen Gletscher zum Asulkanpass auf ca. 2.400 m Höhe. Der Blick von hier ist beschränkt. Sehr schön ist er gegen Süden auf den Mount Dawson101 und Mount Donin, sowie die steilen Dawson Gletscher zwischen den beiden letzteren. Dann gab es ein etwas steiles Klettern über einen Felsgrat; ein großes Schneefeld musste überschritten werden, und schließlich erkletterten wir über den Mount Leader den Mount Castor (2.900 m), dessen Spitze wir um 12.45 Uhr erreichten. Die Aussicht war nur nach einer Seite, der Hermitrange zu, klar, während rauchende Waldbrände wie ein Schleier alles andere verhüllten. Wir hatten Zeit und beschäftigten uns fast zwei Stunden damit, auf beide Spitzen Steinmänner zu bauen, eine Pflicht, der sich unsere Vorgänger, auch dieser Berg war erst vier Mal bestiegen, in sträflicher Weise entzogen hatten. Der Abstieg ging glatt vonstatten. Nur musste die Gletscherwanderung, der schlechten Nachmittagsverhältnisse wegen, sehr vorsichtig vorgenommen werden.

Damit nahmen wir Abschied von den Bergen, die uns in den letzten 14 Tagen so lieb geworden waren. Um 1 Uhr nachts ging es in den Schlafwagen, der uns in vier Tagen und vier Nächten in einer Tour102 nach Montreal103 bringen sollte. Als wir am nächsten Morgen in der Nähe von Laggan104 aufwachten, goss es in Strömen.

An Wucht und Majestät können sich die kanadischen Alpen mit ihren Schweizer Vettern kaum vergleichen. Auch fehlen ihnen die grünen Matten und traulichen Bergdörfer, es fehlt die sagenumwobene Vergangenheit. Aber sie haben ihren eigenen Charakter und bewundernswerte Eigentümlichkeiten, besondere Schönheiten vor unseren Alpen voraus. Dahin gehören ihre malerischen Tallandschaften und die Pracht der weiten Urwälder mit dem undurchdringlichen Gewirr üppigen Unterholzes und den Trümmern und Überbleibseln gefallener Baumriesen. Unübertroffen sind die Rocks Mountains in der Zahl und Pracht ihrer Bergseen, die wie Edelsteine vom reinsten türkiesblau, gefasst in einen Rahmen von Wäldern und Klippen zwischen gletscherbedeckten Felsspitzen liegen und aus denen sich, eingezwängt in malerische enge Schluchten, die tosenden Wildwasser ins Tal ergießen.

Den Komfort der Schweizer Hotels, die Bergbahnen oder schließlich Vereinshütten mit ihren 1.200 Besuchern wird man vergeblich suchen. Sind wir doch tagelang keinem einzigen Menschen begegnet. Nicht zum wenigsten locken die Rocky Mountains mit dem freien ungebundenen Leben in den geheimnisvollen und unerschlossenen Wäldern. Es liegt ein Hauch des Mystischen und Unnahbaren über diesen Bergen, der jeden, dessen Sinn empfänglich ist für Größe und Einsamkeit, unwiderstehlich anzieht und sie im Leben unvergesslich macht.“

[1] Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung (1861-1948); propagierte und praktizierte den gewaltlosen Widerstand – eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen

[2] in diesem Stadtteil von Düsseldorf befand sich das größte Werk der Familie Poensgen; der Bau der dort befindlichen Poensgen-Kampfbahn“ wurde durch ihn finanziert

[3] dabei hat es sich um Dipl.-Ing. Paul Probst 1873-1959), er war 1899 in die von den Familien Poensgen gegründeten Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG (DREW) eingetreten und befand sich als Hüttendirektor mit Ernst Poensgen auf einer technischen Besichtigungstour durch Hütten- und Walzwerke in den USA; er war auch, wie mir Frau Heike Blumreiter von Stadtarchiv Düsseldorf mitgeteilt hat, Mitgründer des Düsseldorfer Flughafens

[4] gern genutzter Reiseführer, der von dem Reisehandbücherverlag Karl Baedecker in Leipzig herausgegeben wurde

[5] Bundesstaat, der 1867 durch die Vereinigung der beiden Provinzen Ontario (Oberkanada) und Quebec (Unterkanada) mit Neuschottland und Neubraunschweig entstanden war; 1869 wurde ihm das Gebiet der Hudsonbai Kompanie angegliedert, aus dem die Provinzen Manitoba (1870), Alberta und Saskatchewan (1905) entstanden; 1871 hatte sich Britisch-Kolumbien und 1973 die Prinz-Edward- Insel im St. Lorenz-Strom angeschlossen (Neufundland wurde erst 1949 angegliedert)

[6] Mit inzwischen 9.976.137 qkm (allerdings davon 755.165 qkm Binnengewässer) ist der heutige Bundesstaat Kanada das zweitgrößte Land der Erde, jedoch eins der am dünnsten besiedelten

[7] Mit dieser Auffassung lag E. Poensgen richtig; selbst heute, nach der Industrialisierung Kanadas, spielt die Getreideausfuhr eine wichtige Rolle

[8] Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas

[9] Halbinsel im Norden Nordamerikas; 1867 durch die USA von Russland erworben; 1912 eigenes Territorium; 1959 als 49. Staat in die Union aufgenommen

[10] auch Selkirk Mountains; Gebirgszug im Westen der Rocky Mountains, er zieht sich vom Süden British Columbias bis nach Nord-Idaho und Nord-Montana in den USA; die höchste Erhebung bildet mit 3.533 m der Sir Stanford; hier befindet sich der Glacier National Park

[11] der Fluss entsteht aus zwei Quellläufen, dem Nord- und Süd-Saskatchewan, und ist 547 km lang, er verläuft ostwärts durch die Provinzen Saskatchewan und Manitoba und mündet in den Winnipeg-See

[12] er entspringt auf dem Gletscher gleichen Namens in der Provinz Alberta, ist 1.231 km lang und mündet in den Mackenzie River, der sich ins Nordpolarmeer ergießt; am See gleichen Namens befinden sich reiche Ölsandfunde, die heute ausgebeutet werden

[13] entspringt in der Provinz British Columbia und mündet nach 1.553 km auf dem Staatsgebiet der USA in den Pazifischen Ozean

[14] der längste ganz in der kanadischen Provinz British Columbia gelegene Fluss; er entspringt in der Nähe des Mount Robson, mit 3.954 m der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains, und mündet nach 1.375 km in der Nähe der Stadt Vancouver in den Pazifik

[15] die westlichste der kanadischen Prärieprovinzen mit der Hauptstadt Edmonton und der größten Stadt Calgary

[16] westlichste Provinz mit der Hauptstadt Victoria

[17] der Präsident Kanadas hatte British Coumbia für den Zutritt zur Föderation versprochen, eine Eisenbahnverbindung nach Osten zu schaffen; in den Jahren von 1881 bis 1885 entstand die Eisenbahnlinie von Montreal im Osten nach Vancouver im Westen; diese neue, leistungsstarke Verkehrsverbindung begünstigte die Besiedlung der kanadischen Prärieprovinzen Alberta, Manitoba und Saskatchewan

[18] weil große Teile der Strecke unbewohnt oder nur dünn besiedelt waren, sah sich die Eisenbahngesellschaft gezwungen, Übernachtungsmöglichkeiten für ihre Reisenden zu errichten und zu betreiben; durch den Bau von Luxushotels ab Ende der 1880er Jahre, insbesondere in den landschaftlich schönen Gegenden der Rocky Mountins, versuchte die Eisenbahngesellschaft mit staatlicher Förderung, wohlhabende Kanadier aus dem Osten der Föderation in den Westen zu locken

[19] Industrie und Handelsstadt im Westen Englands, damals bedeutend für den Handel mit Amerika und Westindien

[20] hier dürfte die wichtige Hafen- und zugleich Hauptstadt der kanadischen Provinz Nova Scotia am Atlantik gemeint ein; sie hat einen gut geschützten und eisfreien Hafen

[21] in der Provinz British Columbia, an der Mündung des Frazer River und am westlichen Endpunkt der C. P. R. entstand aus einer kleinen Ansiedlung der wichtigste Hafen und das bedeutendste Industrie- und Verwaltungszentrum im Westen Kanadas

[22] wichtige Hafen- und Handelsstadt an der südchinesischen Küste; damals britische Kronkolonie

[23] unerforschtes Gebiet

[24] bis Mitte der 1880er Jahre

[25] bedeutende Industrie- und Handelsstadt im US-amerikanischen Staat Illinois; liegt am Südwestufer des Michigansees; durch den Anschluss an den St.-Lorenz-Seeweg einer der größten Binnenhäfen der Welt

[26] Hauptstadt des US-amerikanischen Staates Minnesota; liegt am Mississippi

[27] US-amerikanische Eisenbahngesellschaft: Minneapolis, St. Paul and Sault Ste. Marie Railway – Soo Line Railroad

[28] Hafenstadt am Westufer des Michigansees im US-Bundesstaat Wisconsin

[29] kanadische Stadt in der Provinz Sakatschewan; etwa 77 km westlich der Hauptstadt Regina; die Stadt verdankt ihre Entstehung und Entwicklung der C. P. R., die hier, wo geeignetes Wasser für die Lokomotivkessel vorhanden war, eine Betriebsstelle errichtete

[30] Ortschaft in der kanadischen Provinz Alberta; auch diese verdankt Entstehung und Entwicklung der C. P. R.; beim Bau der Eisenbahn stieß man 1883 in einer Höhle auf eine heiße Quelle; die Siedlung erhielt ihre Namen nach dem schottischen Banffshire, der Heimat zweier Geldgeber der C. P. R. 1885 wurde die Region als erster Nationalpark in Kanada unter Schutz gestellt; heute einer der größten Nationalparks in den Rocky Mountains; seit 1984 Weltkulturerbe

[31] durch die Rocky Mountains Park Act von 1887

[32] erbaut im Stil eines schottischen Schlosses

[33] entspringt dem Bow Lake, der vom Bow Gletscher gespeist wird; auf seiner 623 km Länge durchfließt er den Nationalpark Banff, mündet bei Grassy Lake mit dem Oldman River zusammen und bildet den South Saskatchewan River

[34] in Südtirol

[35] ursprünglich hatte die Trasse der Eisenbahn am Fluss entlang geführt werden sollen, da jedoch die Geländeverhältnisse eine Umgehung des Berges unmöglich machte, hatten die Ingenieure einen 275 m langen Tunnel durch den Berg vorgeschlagen. Weil dieser das Projekt weiter verteuert und vor allem dessen Fertigstellung verzögert hätte, wurde der Vorschlag abgelehnt und stattdessen eine andere Routenführung, nämlich über den Kicking-Horse-Pass (s. u.), gewählt; der 1.692 m hohe Berg etwa 8 km von Banff behielt seinen Namen

[36] „sehr lohnend“

[37] größte Stadt Kanadas, sie liegt in der Provinz Quebec, zwischen einem Mündungsarm des Ottawa River und dem St.-Lorenz-Strom

[38] etwa 5 km nordöstlich von Banff; der See ist mit seinen 21 km Länge und 142 m Tiefe der größte See im Nationalpark; er hat glasklares Wasser, das vom Cascade River gespeist wird

[39] entspringt im Südwesten der Provinz Alberta, durchfließt den Minnewanka See und mündet in den Bow River, benannt wurde er von J. Hector nach den Cascade Mountains

[40] benannt von J. Hector nach dem großen Wasserfall, der in Kaskaden niedergeht

[41] das malerische Yohotal mit seinen vielen Wasserfällen (Yoho stammt aus der Sprache der Cree-Indianer und ist ein Ausdruck des Staunens oder der Bewunderung); der 1.310 qkm große Park wurde als Mount Stephen Dominion Reserve unter Schutz gestellt; er ist als Yoho-Nationalpark seit 1984 Weltkulturerbe

[42] 2.451 m hoher Berg im Nationalpark Banff; „sulfur“ ist die lateinische Bezeichnung für Schwefel

[43] auf der kontinentalen Wasserscheide an der Grenze zwischen British Columbia und Alberta; er ist mit 3.618 m der höchste Gipfel im südlichen Teil der kanadischen Rocky Mountains; 1885 von Georges W. Dawson benannt, weil ihn der Berg mit seiner Wolkenfahne an die Rauchsäulen erinnerten, die über den Zelten der Assiniboine-Indianer aufstiegen, wegen seiner pyramidenartigen Form wird er auch als das „Matterhorn der Rocky Mountains“ ezeichnet; bis 1901 war er erst einmal bestiegen worden

[44] Nicht zu verwechseln mit dem Mount Sir Donald, der wegen seiner gleichfalls pyramidenartigen Form als das Matterhorn der Selkirks-Gebirgskette genannt wird

[45] Einheit der Grade beim 180-teiligen Thermometer

[46] Etwa 55 km westlich von Banff; Endstation der C. P. R.; gegründet 1890

[47] heute ein Zentrum des Tourismus im Sommer wie im Winter

[48] 1899 waren die ersten Schweizer Bergführer eingestellt worden

[49] in der Provinz British Columbia; nördlich des Mount Murchison (Roderick M. 1792-1871, schott. Geologe) und südlich des Mount Hooker

[50] 1890 war am Ostufer ein bescheidenes Chalet errichtet worden, das später zum zweistöckigen Hotel ausgebaut wurde

[51] See im Banff-Nationalpark, etwa 180 km westlich von Calgary; seine türkisblaue Farbe erhält er durch das entsprechend gefärbte Steinmehl, das das Gletscherwasser in den See spült; er wurde nach der Prinzessin Louise Caroline Alberta, einer Tochter der Königin Victoria, benannt

[52] 3.553 m hoch

[53] auf der Grenze der Provinzen British Columbia und Alberta; benannt nach der Königin Victoria, 3.464 m hoch

[54] an der Ostflanke des Mount Ikoko

[55] auf der Grenze von Alberta und British Columbia, entlang der kontinentalen Wasserscheide; 2.895 m hoch

[56] etwa 3 km vom Lake Louise

[57] nordwestlich von Banff und westlich von Laggan, liegt gleichfalls im Banff-Nationalpark

[58] drei bis vier Stunden entfernt vom Lake Louise; zu überwinden sind 595 Höhenmeter

[59] liegt im Banff-Nationalpark in der Provinz Alberta; im Tal des Bow River zwischen dem Paradise Creek und dem Moraine Creek; er ist mit 3.544 m der höchste Berg in der Lake Louise-Region; er wurde 1894 zum ersten Mal bestiegen

[60] 2.744 m hoch

[61] drei Stunden entfernt vom Lake Louise; Bärengebiet

[62] zu ergänzen ist: die C. P. R. bzw. die kanadische Union oder Großbritannien

[63] zu ergänzen ist: von offizieller kanadischer Seite – die Ureinwohner haben selbstverständlich eigene Namen gehabt

[64] benannt nach Sir James Hector (1834-1907), der das Bow Tal erforscht hat

[65]heute eine kleine Ortschaft mit etwa 170 Einwohnern; benannt nach Cyrus Field, der die erste transatlantische Telegrafenkabelverbindung schuf

[66] der 3.199 m hohe Berg liegt im Tal des Kicking Horse River in der Provinz British Columbia; er wurde benannt nach George Stephen, dem ersten Präsidenten der C. P. R.

[67] ein Bogen, den der Fluss durch eine Kalksteinschicht gefressen hat, so dass eine natürliche Brücke entstand; diese ist auch heute noch eine große Sehenswürdigkeit

[68] benannt von James Hector, der an diesem Fluss von seinem Pferd getreten wurde; statt über oder durch den Tunnel Mountain hatte die Eisenbahngesellschaft 1884 die Trasse von Field über das Gebirge nach Westen am Kicking River vorbei hinauf zum Kicking-Horse-Pass gewählt; allerdings hatte dabei eine 4,5%ige Steigung (viermal so hoch wie damals empfohlen) bewältigt werden müssen, was nur mit Hilfe von Zusatzlokomotiven möglich war; weil es wiederholt zu schweren Unfällen gekommen war, wurde ein Kehrtunnel angelegt, der damals gerade im Bau war

[69] ein Berg von 2.643 m Höhe nordöstlich der Bahnstation Field

[70] nordöstlich von Field; bedeutende Fossilienlagerstätte; der Pass liegt auf 2.599 m Höhe

[71] südwestlich des Burgess-Sattels, 2.599 m hoch

[72] bekannter Bergsee mit außergewöhnlicher Färbung; beliebtes Wanderziel; hier wurde 1902 die Emerald Lodge errichtet

[73] 2.778 m hoher Berg zwischen Emerald Lake und Yoho Valley

[74] tropische Stechmücken

[75] wilder Gebirgsfluss im Bärengebiet in den Provinzen British Columbia und Alberta

[76] Gebirgssee in den Höhenlagen (2.115 m) des Yoho Nationalparks in British Columbia

[77] großer Gebirgssee im Yoho Nationalpark

[78] 3.348 m hoch

[79] 1.737 m hoher Berg in British Columbia

[80] Ernst Poensgen hatte bereits in frühen Jahren eine Glatze

[81] mit 381 m Fallhöhe der zweit- oder drittgrößte Wasserfall Kanadas; „Takakkaw“ kommt aus der Sprache der Cree und heißt: „es ist großartig“; rd. 25 km entfernt von der Ortschaft Field

[82] ein 380 m hoher Wasserfall

[83] „Wapta“ heißt in der Sprache der Stoney Nakota „Fluss“

[84] Gipfelsee

[85] der größte der 61 Seen im Yoho National Park

[86] größter Nationalpark der Provinz British Columbia, rd. drei Autostunden entfernt von Calgary, westlich des Nationalparks Banff; er liegt zum größten Teil in den Selkirk Mountains; er liegt hauptsächlich über 2.000 m hoch und ist teilweise ganzjährig mit Eis bedeckt; hier gibt es mehr als 400 Gletscher; heute eine der beliebtesten Kletterregionen in Nordamerika

[87] 1.330 m hoher Gebirgspass in den Selkirk Mountains, über den die erste transkontinentale Bahnlinie geführt wurde; 1916 wurde die gefährliche Strecke durch die Fertigstellung des 8 km langen Connaught-Tunnels entschärft

[88] Unmittelbar östlich des Roger Passes; 2.883 m hoch; hieß ursprünglich Mount Carroll, wurde zu Ehren des ersten kanadischen Premierministers John MacDonald umbenannt

[89] 3 km östlich des Roger Passes; 2.804 m hoch

[90] vermutlich handelt es sich um eine Überbauung der Strecke als Schutz gegen Lawinenabgänge und Schneewehen

[91] 1907 einer der am meisten besuchten Gletscher Kanadas; er speist den Fluss gleichen Namens; Illecillewaet heißt in der Okanagen-Sprache „großes Wasser“ und bezieht sich auf den Fluss

[92] 3.284 m hoch; benannt nach Sir Donald A. Smith, Direktor der C. P. R.

[93] die ersten Bergführer hatte die C. P. R. aus der Schweiz geholt; sie sollten in Verbindung mit der Bahnstrecke und den Hotels das Gebiet touristisch zu erschließen helfen

[94] Das Chalet wurde in den 1880er Jahren errichtet und 1925 geschlossen, weil der Zug wegen der Führung durch den Tunnel den Ort nicht mehr passierte

[95] schmale Bergkette in den Columbia Mountains – diese gelten als eine der schönsten Bergketten in den südlichen Rocky Mountains

[96] in der äußeren Form ist die Ähnlichkeit gegeben; hinsichtlich der Höhe überragt der Namensgeber in den Waliser Alpen seinen Bruder in den Rocky Mountains jedoch um fast 1.200 m

[97] die Bergspitze geht bis auf 3.822 m hinauf

[98] zwischen den Bergen Sir Donald und Eaglepeak, 2.927 m hoch

[99] das Wort der Ureinwohner für Wildgans

[100] 2.293 m hoch

[101] mit 3.390 m der höchste Berg im Glacier Nationalpark

[102] quer durch den Kontinent nach Osten

[103] Die Stadt auf einer Insel im St. Lorenz-Strom im Südwesten der Provinz Quebec (rd. 50 km von der Grenz zu den USA) gehörte wegen ihrer industriellen Entwicklung zu den rasch wachsenden Städten Kanadas; sie ist zugleich die bedeutendste

[104] auf der Station der C. P. R. westlich von Banff